Von Kampala nach Nairobi

(Teil 1 der Ostafrika Reise)

Im Februar war es soweit: direkt nach dem Zwischenseminar hatte ich mir drei Wochen Urlaub genommen. Wurde auch Zeit, nachdem ich zwischen Weihnachten und Silvester gearbeitet hatte, dann noch auf dem Vorbereitungsseminar unsere Freiwilligenzeitung fertigstellen musste, war ich mehr als urlaubsreif. Das erklärte Ziel von mir und anderen Freiwilligen war das Sauti za Busara Musikfestival auf Sansibar.

Mit dem Bus ging es morgens früh los nach Nairobi – da unsere „Busmarke des Vertrauens“ morgens nur erste Klasse und VIP Sitze im Angebot hatte – notgedrungen in der ersten Klasse.

Eine unfreiwillige Investition, die sich lohnte. Für umgerechnet nur 5 Euro mehr im Vergleich zur Economy Class, hatten wir in der ersten Klasse bequeme Ledersessel, Klimaanlage und eigenen Fernseher. So bequem Bus gefahren bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Mit nur drei Sitzen in einer Reihe (in Deutschland sind es ja in der Regel vier in Uganda fünf!) hatten auch große Menschen Platz für ihre Beine und die 14-stündige Busfahrt nach Nairobi verlief so entspannt, dass man nach Ankunft den Bus eigentlich nicht verlassen wollte.

Haben wir dann aber doch gemacht und wurden von dem netten Couchsurf-Host Frank sogar mit dem Auto abgeholt. Während der Fahrt erklärte uns Frank, dann auch gleich etwas von der Stadt und zeigte uns im Vorbeifahren den einzigen städtischen Nationalpark der Welt und die dortigen Matutus (öffentlicher Nahverkehr in Form von Kleinbussen) die nachts mit blinkenden LEDs und Soundgeräuschen unterwegs waren. Bei Frank zuhause angekommen wurden wir gleich seiner großen Familie vorgestellt, die uns fünf (!) Freiwillige erst einmal mit Essen und Schlafplätzen versorgten.

Am nächsten Tag schauten wir uns Nairobi an und waren überwältigt. Die Hauptstadt Kenias wartete mit einer so modernen Innenstadt auf, die so auch in „westlichen“ Ländern hätte stehen können. Die kenianischen Matutus zeigten erst bei Tageslicht ihr wahres Gesicht. Waren wir bei der nächtlichen Ankunft noch von den LEDs und Sound-Wirr-Warr beeindruckt, wurden erst bei Tag die abwechslungsreichen Lackierungen und Verzierungen der Kleinbusse sichtbar. Überhaupt waren die Kleinbusse mehr Bus als klein und stellten damit eine Überraschung für uns dar, waren wir doch aus Uganda nur die vielen Tausend Toyota-Hiaces gewohnt – eine Art VW-Bus in klein und unbequem, dafür aber robust und leicht zu reparieren – in denen man sich auch gerne mal zu viert in eine Reihe quetschte und dann noch Kinder oder Hühner auf den Schoß bekam. Nairobis Matutus glänzten mit bequemen Ledersitzen, Fernseher und Musikanlage. Frank, unser Couchsurf-Host hatte uns am Vorabend erklärt, dass es in Nairobi eine eigene Matutu-Kultur gibt, wo der Besitzer jedes Busses versucht, ihn so cool wie möglich aufzupimpen. Die Folgen davon: Kein Bus gleicht dem anderen, die Mottos reichen von Rugby-Mannschaften zu bekannten Filmen oder stellen gleich etwas Eigenes dar. Die Mottos hören dabei nicht bei der Lackierung auf. Im Businneren werden sie durch verzierte Innenwände wieder aufgenommen, die Musik gibt ihr Übriges. Interessanterweise waren die Busse auch nicht teurer als in Uganda. Warum es so etwas nicht in Uganda gibt, zeigt vielleicht dieser leicht zynische Artikel.

Aber nicht nur die Matutus waren beeindruckend. Nairobi zeigte uns erst, dass nicht jede ostafrikanische Hauptstadt so aussehen muss wie Kampala – im Vergleich zu Nairobi oder Dar es Salam mehr Drecksloch als moderne Hauptstadt. Die Ausrede, dass Kampala ja 1986 bei der Revolution zur Niederschlagung von Milton Obotes Regime zu großen Teilen zerstört wurde, zieht da auch nicht. Eine moderne Großstadt machen ja nicht die Infrastruktur von vor 30 Jahren aus, sondern eben das Neue und Frische. Wobei es manchmal auch reicht, wenn eine Stadt sauber ist und nicht so überprotzt an Waffengewalt in Gestalt von uniformierten Polizisten, die aussehen wie Soldaten und die ihre Spielzeuge in Form von gepanzerten Wagen mit montierten Maschinengewehren gleich mitgebracht haben.

In Nairobi war die Polizeipräsenz nicht so drückend sichtbar wie in Kampala oder wenn, dann so gut getarnt, dass man sie erst bemerkt, wenn man von einem Herren im gutsitzenden Anzug angesprochen wird, der darum bittet, das Gebäude bitte nicht zu fotografieren, weil es sich um ein Regierungsgebäude handelt und er sich dadurch als Polizist offenbart, während ich ihn für einen klassischen Banker gehalten habe. Eben jener Polizist war es aber auch, der uns den entscheidenden Hinweis gegeben hat, dass man den Wolkenkratzer, den ich gerade fotografiert hatte, zwar nicht fotografieren darf, man allerdings auf die Hubschrauberlandeplattform ganz oben herauf darf, um Fotos vom Gebäude aus zu machen.

Gesagt getan, die – wie ich finde spektakulären – Fotos gibt es hier:

Mehr Bilder gibt es hier!

Am nächsten Tag ging es dann weiter mit dem Bus nach Dar es Salam. Darüber mehr im nächsten Blogeintrag.

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