Ein Ausflug in den Kibale Forest – Primate Capital of the World

Es ist noch sehr dunkel und kühl, als ich in Fort Portal aufbreche. Dick eingepackt ist mein Ziel der Kibale Nationalpark – Heimat der höchsten Konzentration an wildlebenden Schimpansen in ganz Ostafrika.

Der Kibale Nationalpark liegt im Westen Ugandas, nur etwa eine halbe Stunde Fahrt von meinem derzeitigem Zuhause Fort Portal entfernt. Die Fahrt dauert nur kurz – zu kurz für meinen Geschmack: Auf der Fahrt auf der Kamwenge Road (Straße, die von Fort Portal südlich nach Mbarara führt) hat man eine atemberaubende Aussicht. Während der Nebel noch über den grünen Tälern waberte, ging die Sonne hinter den Hügeln auf und die Sonnenstrahlen durchbrachen langsam aber stetig die Nebelschwaden. Allein dafür hat sich der Ausflug schon gelohnt.

Nach dem Sonnenaufgang hatte ich den ersten Blick auf den Kibale Nationalpark. Mit einer Größe von 766 Quadratkilometern ist er Heimat von 13 Primatenspezies, unter anderem über 1400 der gefährdeten Schimpansen und über 300 verschiedenen Vögeln.

Paviane, die sich auf der Straße tummeln, sind ein untrügliches Anzeichen dafür, dass die Kamwenge Road jetzt den Abschnitt erreicht hat, wo es einmal quer durch den Nationalpark geht und die Straße links und rechts sehr idyllisch vom tropischen Regenwald umsäumt wird.

Nach einer weiteren Pavianfamilie erreiche ich das Kanyanchu Besucherzentrum der Ugandischen Behörde für Wildleben kurz UWA. Eine kurze Einweisung gibt mir und den versammelten Touristen Hinweise und Tipps wie wir uns in dem fragilen Ökosystem zu verhalten haben: Kein Müll in den Park schmeißen, vorher auf Toilette gehen, nicht essen und 8 Meter Sicherheitsabstand zu den Schimpansen einhalten. Anschließend wird die doch sehr große Gruppe von etwa 30 Leuten in Kleingruppen mit je einem Parkranger aufgeteilt.

Ein kurzes Stück fahren wir in der Begleitung eines Rangers der UWA noch tiefer in den Nationalpark hinein bevor es zu Fuß weitergeht. Kaum verlassen wir den schmalen schlammigen Pfad, der gerade groß genug für ein Auto ist, begrüßt uns der Wald schon lautstark: Insekten zirpen, Paviane kämpfen und man riecht den Dung von Elefanten. Jedes Rascheln wird aufmerksam verfolgt – es könnte ja ein Schimpanse sein oder sogar einer der scheuen Waldelefanten. Immer wieder stoßen wir auf fermentierte Überreste der Amarulafrucht. Die Rangerin erklärt uns, dass die heimischen Waldelefanten diese Früchte lieben, weil sie von ihnen betrunken werden. Die Elefanten stellen dabei aber eine nicht geringe Gefahr für Menschen dar. Betrunkene Elefanten können sich leicht bedroht fühlen, darum trägt auch jeder Ranger ein Gewehr mit sich, um die Elefanten im Notfall durch Schüsse vertreiben zu können.

Nach etwa einer Stunde sehen wir endlich unseren ersten Schimpansen. Ganz gemütlich hat sich der Primat auf einem großen am Boden liegenden Baumstamm niedergelassen. Wir kommen bis auf wenige Meter ran. Der Schimpanse alias „der Cousin des Menschen“ ignoriert uns komplett. Kein Wunder, die Schimpansen wurden durch Forschergruppen und die UWA langsam an Menschen gewöhnt („habituiert“). Wären sie das nicht, würden sie bei Menschenkontakt sofort fliehen oder uns eventuell auch als Feinde oder Konkurrenten sehen.

Langsam gehen wir um den Baumstamm herum und siehe da: drei weitere Exemplare. Nach und nach erreichen andere Trekkinggruppen die Stelle und beobachten flüsternd die Schimpansen. Ein kleines Kamera-Knips-Gewitter erfüllt die Luft und wird nur vom sehr lebendigen Wald übertönt. Plötzlich schallt ein Schimpansen-Brüllen durch den Wald und wird lautstark aus allen Richtungen erwidern. Erst jetzt wird mir klar, dass man nicht nur drei Schimpansen direkt vor sich hat, sondern von unzähligen – für mich unsichtbaren – Schimpansen umgeben ist. Die drei Vertreter vor uns brüllen auch lautstark zurück bevor sie sich weiter damit beschäftigen, sich gegenseitig kleine Insekten aus dem Fell zu puhlen, um sie anschließend zu verputzen.

Wenig später warnt uns einer der Ranger, dass das ehemalige Alpha-Männchen im Anmarsch ist. Mit schnellen und lauten Schritten stürmt er nur wenige Meter an uns vorbei zu seinen drei Artgenossen, die sich kurz unterwürfig zeigen bevor es weitergeht mit dem Puhlen. Das ehemalige Alpha-Männchen unterscheidet sich von den drei anderen Schimpansen in seiner muskulösen Statur und mutmaßlich im seinem Alter. Die sehen im Vergleich mit ihren grauen Haaren und kleineren Verletzungen sehr alt aus. Einer der Älteren hat eine verkrüppelte Hand, die wahrscheinlich auf eine Verletzung durch eine Falle zurückgeht. Genau wissen es die Ranger nicht, denn der Schimpanse hatte die Hand schon so verkrüppelt, als der Park 1993 eröffnet wurde.

Auf dem Rückweg begegnen uns noch weitere Schimpansen. Weibchen oder etwa Baby-Schimpansen sind nicht dabei. Die hätten sich zum Schutz des Nachwuches weiter in den Wald zurückgezogen, erklärt unsere Rangerin.

Unterwegs hören wir neben dem Tröten von betrunkenen Elefanten immer wieder kurz aufeinander folgende Klopfgeräusche. „Das sind Schimpansen, die gegen Baumstämme trommeln, um zu kommunizieren“, werden wir von der UWA Rangerin aufgeklärt.

Aufklärung ist ein wichtiges Thema, nicht nur während Führungen für Touristen. Um den Rückhalt in der Bevölkerung nicht zu verlieren und den Schutz des Waldes zu gewährleisten, wird viel Aufklärungsarbeit betrieben. Ranger und andere Arbeitskräfte werden in erster Linie aus den umliegenden Gemeinden rekrutiert. Eben jene Angestellte tragen dann auch das Wissen wieder zurück in ihre Gemeinde und leisten einen wichtigen Beitrag, die Menschen, die um oder im Park leben, zu sensibilisieren. Die An- und Bewohner des Parks sollen verstehen, warum es verboten ist, im Wald zu jagen, Fallen auszulegen und Bäume zu fällen. Denn gerade die umliegenden Gemeinden profitieren durch die Einnahmen des Kibale Nationalparks enorm.

Wie bei allen Nationalparks Ugandas gehen 20% der Parkeinnahmen direkt zu den umliegenden Gemeinden. Beim Kibale Nationalpark werden diese 20% beispielsweise in Form neuer Klassenräume und Sanitäranlagen für Schulen investitiert. Anders könnte man allerdings den hohen Preis von 150$ pro Person nur für das Schimpansen Trekking (ohne Transport) auch nicht rechtfertigen. Ich konnte am Trekking in meiner Eigenschaft als “Photojournalist“ für das von Kabarole Tours mitherausgegebene Magazin „The Rwenzori Outlook“ übrigens unentgeltlich teilnehmen. Als Freiwilliger hätte ich mir dieses Erlebnis sonst auch nicht leisten können.

Einen Waldelefanten haben wir dann leider nicht mehr gesehen. Vielleicht auch besser so….

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